Der Kohlebergbau im Wies- Eibiswalder Revier:

Ein Querschnitt durch Bergbau, Brauchtum, Bergmännische Fest- und Feierlichkeiten.

Die Entstehung der Kohle:

Bevor wir nun in die Bergbaugeschichte einsteigen, müssen wir die Frage beantworten, was Kohle eigentlich ist.

Die heutige Definition: Kohle ist angehäufte Pflanzensubstanz vorzeitlicher Sumpfwälder, die erst vom Moorwasser bedeckt und dann von Schichtgestein überlagert in der Tiefe der Erde zum hochwertigen Brennstoff gereift ist.

Kohle entstand aus abgestorbenem Pflanzenmaterial von Sumpfwäldern, das zu Boden sank und im feuchten Moor luftdicht eingeschlossen wurde. So wurde es zu Torf zersetzt. Durch wiederholte Absenkungen und Überflutungen wurde Sediment abgelagert, das Druck auf die Torfschichten ausübte.

Durch diesen Druck und die daraus resultierende Hitze wurde die Feuchtigkeit herausgepresst und es begann die chemische Umwandlung von Torf zu Kohle. Diesen Prozess nennt man Inkohlung.

Die erste Stufe dieser Inkohlung wandelte den Torf zur Braunkohle um. Weiterer Druck und weitere Hitze führte zur Steinkohle. Die Endstufe der Inkohlung erbrachte den sehr hochwertigen Anthrazit. Steinkohle wurde im Karbon vor etwa 280 bis 350 Millionen Jahren gebildet. Braunkohle ist jüngeren Datums und entstand im Tertiär vor etwa 2,5 bis 65 Millionen Jahren. Anthrazit ist älter als die Steinkohle.

Durch geologische Verwerfungen und Faltungen der Deckgebirge brachen die ursprünglich planen Flöze auf und die Kohleschichten traten an die Oberfläche. (Ausbiss)

Die kohlegeologischen Verhältnisse im Wies- Eibiswalder Revier:

Die Flöze des südweststeirischen Glanzkohlereviers sind im Jungtertiär entstanden. Sie sind eingebettet in Sedimente, deren Ablagerung vor rund 25 Millionen Jahren im Südteil des weststeirischen Beckens begonnen hat.

Um 1790 wurde die erste Glanzkohle im Wies- Eibiswalder Revier gefunden. Als in der folge die Bevölkerung die Kohle schon in geringer Tiefe vorfand, wurde sie zum Teil von einem Kohlenfieber ergriffen. Man ging auf die Suche, schloss Fundstellen auf und ersuchte das Berggericht Leoben um Verleihung von Schürfrechten oder „Grubenmaßen“.

Das Wies- Eibiswalder Revier:

Eine Reise durch fast 200 Jahre Kohlebergbau……

Übersicht über die Glanzkohlenreviere

Eibiswalder Revier:

Abbaue um den Markt Eibiswald, in Feisternitz und Hörmsdorf

 

Vordersdorfer und Wernersdorfer Revier:

Abbaue in Vordersdorf und Wernersdorf- Unterfresen

 

Wieser Revier:

Abgebaut wurde in Pölfing- Bergla, Steyeregg, Kalkgrub- Limberg,

 

St.Ulrich, Tombach- Pitschgauegg

Das sogenannte „Eiswalder Flöz“ wurde in drei verschiedene Gebiete bergmännisch bearbeitet: im Raum südlich von Eibiswald, im Feisternitzer Revier (mit dem Herma- und Lauraschacht) und nordöstlich von Eibiswald im Charlotte- Marie- Revier.

Im Eibiswalder Revier waren folgende Haupteinbaue (nach DI Claus Lukasczyk):

Herma- Schacht 1842- 1890 (Teufe 29 Meter)
Laura- Schacht 1880- 1912 (Teufe 123 Meter)

Südlich von Eibiswald erreichte das Flöz eine Mächtigkeit bis zu 3,8 Meter.

Im Feisternitzer Revier betrug die Mächtigkeit 0,7 bis 1,2 Meter und im Charlotte- Marie Schacht war das Kohlenflöz 1,6 Meter stark.

Charlotte- Marie Schacht 1906- 1921 (Teufe 217 Meter)

Die Kohle des Eibiswalder Flözes war eine pechschwarze, harte Glanzkohle von guter Qualität.

Der Kohlenbergbau im Raum Vordersdorf- Wernersdorf:

Nach DI Claus Lukasczyk bestanden im Vordersdorfer Revier folgende Haupteinbaue:

Josef- Schacht von 1860- 1898 mit einer Teufe von 104 Meter

    Neuglück- Schacht von 1870- 1898 mit einer Teufe von 95 Meter

Bawartgesenke von 1949- 1956 mit einer Teufe von 200 Meter

Vordersdorf mit dem Josef- Schacht und der Glasfabrik

Im Vordersdorf- Wernersdorfer Revier gab es Flözmächtigkeiten zwischen 1,8 und 3,6 Meter. Die harte Glanzkohle von Vordersdorf galt als eine der besten im weststeirischen Glanzkohlerevier.

Das Wieser Revier:

Unter dem Begriff „Wieser Revier“ werden all jene Bergbaue verstanden.

Das waren die Gruben in Kalkgrub- Limberg, Steyeregg, Pölfing- Bergla und Aug- Schöngg, St. Ulrich und Tombach- Pitschgauegg.

Kalkgrub-Limberg
Bergla
Steyregg
Pölfing

1926 wurde das „Wieser Flöz“ als „eine im großen ziemlich regelmäßige Flözplatte“ beschrieben.

1878 waren die Bergbaue im Bereich des „Wieser Flözes“ im Eigentum von neun Einzelunternehmen, drei Gesellschaften  und drei Aktiengesellschaften.

In Betrieb standen damals 11 Schächte und 26 Hauptförderstollen, wobei die Abbaue in einer Teufe von durchschnittlich 127 Metern umgingen.

Der Raum Kalkgrub- Limberg:

Etwa zwei Kilometer nordwestlich von Steyeregg in Richtung Schwanberg liegt das Bergbaugebiet von Kalkgrub- Limberg. Das Flöz wird in diesem Bereich als 0,9 bis 3,2 Meter mächtig, jedoch durch sandig- tonige Zwischenmittel in mehrere Bänke gegliedert, beschrieben.

Waldemar Schacht

Die Kohle von Kalkgrub- Limberg ist als schwarze Glanzkohle zu bezeichnen.

Haraldschacht 1917- 1931 (Teufe 89 Meter)

1919 wurde die Knappenmusik- und Gesangsverein Haraldschacht, die Vorgänger der Bergkapelle Pölfing- Bergla und unserer Berg- und Hüttenkapelle St. Martin, gegründet.

Steyeregg:

Etwa drei Kilometer nordwestlich von Wies liegt der Ort Steyeregg, in dem ein durchaus bedeutender Glanzkohlebergbau umging, an den im Ort selbst und in der näheren Umgebung auch heute noch vieles erinnert.

 

Das zum Großteil abgebaute Flöz von Steyeregg bildete die westliche Fortsetzung der Lagerstätte Pölfing- Bergla. Das durchschnittlich zirka 2,2 Meter mächtige Flöz konnte örtlich einschließlich der tauben Zwischenmittel bis auf 5,7 Meter Stärke anschwellen, wobei daraus etwa 3,6 Meter reine Kohle, zu gewinnen waren.



Marienschacht 1872- 1927 (Teufe 133 Meter)

Maschinenhaus Marienschacht
Verbindungsbahn Steyeregg- Kalkgrub

Der Raum Jagernigg- Pölfing/Brunn- Bergla:

Um 1797 soll das Wieser Flöz zuerst in Brunn- Schönegg erschürft worden sein. Unter der „Wieser Kohlenbergbau und Handelsgesellschaft“, die Vorgänger der GKB, standen um 1880 folgende Schächte in Betrieb:

 

 Brauchart- Schacht                      Teufe   23 Meter 1858- 1903

 Barbara- Schacht (III)                 Teufe   38 Meter 1860- 1900

 Wenzel- Schacht                           Teufe   59 Meter 1863- 1903

 Peter- Schacht                              Teufe   66 Meter 1872- 1903

 Pölfinger- Hauptschacht             Teufe  167 Meter 1872- 1897

Pölfinger- Hauptschacht


Belegschaft des Hauptschachtes um 1870

Am Fronleichnamstag 1897 stürzte der Pölfinger- Hauptschacht ein, der ein Todesopfer forderte.

Im Jahre 1900 folgte die Stilllegung des gesamten Werkes Pölfing.

Der Raum Jagernigg / Pölfing- Bergla:

Mit der Einstellung des Betriebes in Kalkgrub 1931 (Haraldschacht) begann man in Jagernigg ein Gesenke abzuteufen. Dieses Werk nahm 1932 den Betrieb auf.

Über eine Hängeseilbahn war der neue Bergbau mit der Verladestation in Pölfing- Brunn verbunden. Das Werk wurde mit einem Tagesgesenk von Pölfing- Brunn aus gegen die Teufe des 1924 abgeteuften Schachtes in Bergla erschlossen.

Zunächst wurde die Kohle aus diesem Gesenk gefördert und nach Siebung und Lesung in der Station Pölfing- Brunn verladen.

Im Juli 1950 erfolgte die Übersiedlung der Betriebsleitung von Jagernigg nach Bergla, wo nun die gesamte Förderung durch den Bergla- Schacht erfolgte.

Seilbahn vom Bergwerk Jagernigg zum Bahnhof Pölfing- Brunn

Der Bergbau Pölfing- Bergla der GKB:

Bergla war der letzte Betrieb im Wies- Eibiswalder Glanzkohlerevier und liegt im Gemeindegebiet von St. Martin im Sulmtal.

Förderschacht 1924
Werksansicht1924/25

 

 

Der Berglaschacht wurde 1924/ 26 auf 176 Meter abgeteuft und über zwei 800 Meter lange Gesenke, die sogenannten „Berglagesenke“, mit dem Steyeregger Ostfeld verbunden; jedoch 1929 mit der Schließung von Steyeregg (Marienschacht) unter Wasser gesetzt. 1938 wurde im Berglaschacht der Wasserspiegel um 38 Meter gesenkt um den Bergbau Pölfing in Jagernigg in der Tiefe wasserfrei zu bekommen.

Von 1941 bis 1945 wurde das Bergla- Revier gesümpft und mit je 200 Meter Grundstrecke nach Ost und west geschlagen. Die Produktion sackte von 1944 mit 90.634 t bei 589 Mann auf 62.748 t zu Ende 1945 bei 492 Mann ab. Nach 1945 kam es im Bergla- Revier zur weiteren Ausrichtungen und Verbindungen mit dem Jagernigger Gesenke, dem Seilbahnfördergesenke des Bergbaues Pölfing; zugleich kamen künftige Baufelder mit der Ostgrundstrecke feldwärts bis 3 km vom Bergla- Schacht in das Ostfeld zur Vorrichtung.

Der Vollbetrieb wurde 1950 aufgenommen.

1952 wurde aus der 1919 gegründeten Bergkapelle „Haraldschacht“, die Bergkapelle „Pölfing- Bergla“.

Die Bergkapelle war bis zur Schließung von Bergla 1975 und in weiterer Folge bis zur Fusionierung 1977 (Chronik der Berg- und Hüttenkapelle) dort tätig. Es gibt bei der Berg- und Hüttenkapelle St. Martin noch einige Musiker die bei der Bergkapelle Pöling- Bergla als Musiker mitwirkten, zwei davon (Ehrenobmann Franz Painsi und Ehrenkapellmeister Rudolf Teschinegg) arbeiteten auch im Bergwerk Bergla.

Die Bergkapelle war bis zur Schließung von Bergla 1975 und in weiterer Folge bis zur Fusionierung 1977 (Chronik der Berg- und Hüttenkapelle) dort tätig. Es gibt bei der Berg- und Hüttenkapelle St. Martin  noch einige Musiker die bei der Bergkapelle Pöling- Bergla als Musiker mitwirkten, zwei davon (Ehrenobmann Franz Painsi und Ehrenkapellmeister Rudolf Teschinegg) arbeiteten auch im Bergwerk Bergla.

Bergkapelle Pölfing- Bergla 1952

Bergla war bevorzugter Testbetrieb für den Berganlagenbau der Maschinenfabrik Zeltweg der ÖAMG.

Zeltweger Brems-Band Stempel 1951
Kettenförderer Westfalia PFO
Eickhoff Kettenschrämmaschine im Streb
“Hobeln“

Im Westfeld wurde im August 1952 ein neuer Wetterschacht in Betrieb gesetzt. 1954 nahm die von Zeltweg erbaute neue Sortierung den Durchsatz auf. 1958 wurde im Ostfeld und 1960 im Westfeld das Unterwerk mit der 1. und 2. Tiefbausohle aus- und vorgerichtet. Die größte Produktion erreichte Bergla 1957 mit 234.002 t bei einem Personalstand von 611 Dienstnehmern.

Ansichten vom Bergwerk Bergla

Die Zeltweger Technik blieb nicht stehen, es wurden immer wieder Versuche mit neuem Bergbaugerät durchgeführt. Dadurch entstanden nie zu vor erreichte Abbauverhältnisse und dementsprechende Leistungen und Fortschritte.

Kumpel im Streb
„Stucken“ von großen Kohlenbrocken
5KV Wasserpumpen
Kumpel unter Tage
Schachtfüllort Leerseite in 173 m Tiefe

Im Glanzkohlebergbau Bergla wurde der letzte Hunt am 30. 12. 1975 gefördert; nach Produktionsstellung und Inbetriebnahme der Wolframhütte, der Wolfram Berg- und Hütten Ges.m.b.H, am Werksgelände fanden 110 Mann der Restbelegschaft bei dieser und 130 Mann als Pendler im Köflacher Revier weitere Beschäftigung. (Lukasczyk)

Der letzte Hunt verlässt die Nacht und fährt zum Tag, hinauf den Schacht.

Und wir, löschen still das Licht:

Schacht Bergla, deine letzte Schicht!

 

Nun schweigt der Turm dort überm Wald,

und aus der Grube weht es kalt.

Die Grube gilt als ausgekohlt:

Von uns hat niemand das gewollt!

 

Nun fragt ihr uns, wohin wir gehen,

und ob wir uns einst wiedersehn:

nach Norden, Westen, mit dem Wind;

 

weil wir nun ohne Heimat sind.

Bergwerk Bergla im Dezember 1975
Bau der Wolframhütte
Wolframhütte heute

Von Pölfing- Bergla wurden 1945 bis Ende 1975 4,838.762 t Glanzkohle, davon 4,409.657 Tonnen durch den Berglaschacht gefördert; das ist 42% der Gesamtproduktion aus dem Wieserflöz. Die Gesamtausbeute des Wies- Eibiswalder Reviers belief sich auf rund 15,750.000 t. 

Mit der Schließung des Bergwerkes Bergla in der Gemeinde St. Martin im Sulmtal endete eine fast 200-jährige Bergbautradition im Wies- Eibiswalder- Glanzkohlenrevier.

Bergmännische Fachausdrücke (Auszug):

Abteufen: einen Schacht oder Gesenk niederbringen

Ausbiss: das Zutagetreten einer Lagerstätte (Kohle)

Etage:  Abbaustufe

Flöz: meist plattenförmige, meist waagrechte Lagerstätte größerer Ausdehnung

Fördern: Fortbewegen der Kohle oder der anfallenden Berge vom Strecken- oder Abbauort bis an die Erdoberfläche

Gesenk: Geneigter Grubenbau, der in die Tiefe führt

Glück auf: Bergmannsgruß, Ende des 16.Jahrhunderts im Erzgebirge entstanden

Hunt: Förderwagen

Hauer: Berg- Facharbeiter

Mächtigkeit: Stärke eines Kohlenflözes

Ort: wo gearbeitet wird „vor Ort“

Saiger: senkrecht

Schacht: Grubenbau zum Fördern (Förderschacht), zum Bewettern (Wetterschacht)

Schürfen: Aufsuchen einer Lagerstätte- Stollen, Bohrung

Sohle: untere Begrenzung einer Strecke, eines Stollens, eines Abbaues

Steiger: aufsichtführender Angestellter im Bergbau

Streb: Untertage Abbauverfahren, bei dem der Abbauraum im Flöz weiterrückt

Strecke: waagrechter Grubenbau, nicht an den Tag mündend

Teufe: Abstand in der Tiefe

Wetter: Gesamtheit der im Grubenbau befindlichen Luft

Bergmännisches Brauchtum:

Das Fest der „Heiligen Barbara“:

Der hl. Barbara wurde der 4. Dezember als Ehrentag zugewiesen. Deshalb sind auch die Tage um der 4. Dezember seit Beginn des Kohlebergbaues im Wies- Eibiswalder- Glanzkohlerevier und auch heute noch bei der Wolframhütte in St. Martin- Bergla eine besondere Zeit- die Berg- und Hüttenleute feiern den Tag ihrer Schutzpatronin.

Wie sind diese bergmännischen Barbarafeiern abgelaufen?

Die Belegschaft traf sich am späteren Nachmittag am Kirchplatz. Wer einen Bergkittel besitzt trägt ihn an diesem Tag. Die Bergkapelle Pölfing- Bergla damals und die Berg- und Hüttenkapelle heute, gibt ein Platzkonzert. Die Musiker tragen zum Bergkittel den mit einem weißen (heute grünen) Federbusch geschmückten „Kalpak“. Früher trug die Bergkapelle Pölfing- Bergla auch noch das „Arschleder“.

Unter dem Geläute der Kirchenglocken ziehen die Bergleute (heute die Angestellten der Wolfram Hütte) in die Pfarrkirche ein, um bei der Barbaramesse der hl. Barbara Danke für das abgelaufene Jahr zu sagen und den Segen für das kommende Jahr zu empfangen. Die Barbaramesse, bei der auch an die verunglückten und verstorbenen Bergleute gedacht wird, wurde stets von der Bergkapelle Pölfing- Bergla, sowie heute von der Berg- und Hüttenkapelle musikalisch umrahmt. Am Ende des Gottesdienstes wurde das Bergmannslied „Schon wieder tönt vom Schachte her….“, intoniert.

Nach dem Gottesdienst versammelte man sich zur Festversammlung. Bei der Festversammlung wurde der Belegschaft ein Bericht über das abgelaufene Jahr gegeben, und es wurden Worte des Dankes der Betriebsleitung an die Belegschaft ausgesprochen. Ehrungen und Auszeichnungen schlossen den offiziellen Teil der Barbarafeier. 

Im Anschluss folgte der gemütliche Teil mit Speis` und Trank, Musik und Tanz.

Der Sprung über das „Arschleder“:

Ein Bestandteil bei Barbarafeiern ist der sogenannte „Ledersprung“.

Mit dem Sprung über das Leder erfolgt die Aufnahme des Bergmannes in den Hauerstand. Das Leder, auch „Berg- oder „Arschleder“ genannt, ist neben dem Bergkittel seit Jahrhunderten zum Symbol der Bergmannsehre geworden.

Der „Ledersprung“ ist nicht nur in Österreich verbreitet, sondern auch im benachbarten Ausland (Slowenien, Kroatien, Polen und Deutschland).

Zum „Ledersprung“ selbst, wie er in unserem Revier üblich war und bei der Firma Wolfram auch vereinzelt noch üblich ist.

Die aufzunehmenden Bergleute nehmen vor versammelter Belegschaft Aufstellung und müssen mehrere Fragen beantworten.

„Wie ist dein Name?“- „Was ist dein Heimatland?“- „Was ist dein Spruch?“ Nach Beantwortung der dritten Frage und dem Leeren eines Glases Bier wird der Kandidat aufgefordert: „So spring in deinen Stand und halt ihn stets in Ehren!“

Daraufhin springt der Kandidat von einem Bierfass oder Sessel herab über ein Bergleder, welches in der Regel vom ältesten anwesenden Bergingenieur oder Obersteiger und vom ältesten Hauer gehalten wird. Mit dieser Zeremonie ist offiziell in den Hauerstand aufgenommen.

Es ist auch heute bei der Firma Wolfram vereinzelt noch Brauch, verdiente Persönlichkeiten z.B. aus der Wirtschaft den Ledersprung ehrenhalber absolvieren zu lassen und somit die besondere Verbundenheit zu dokumentieren.

„Wie ist dein Name?“

               ++

„Was ist dein Heimatland?“

               ++

„Was ist dein Spruch?“

 

„So spring in den Stand und halt ihn stets in Ehren!“

Der Ledersprung

Knappenball:

Nach mündlicher Überlieferung wurden im Revier Pölfing- Bergla gelegentlich Knappenbälle abgehalten. Veranstalter waren die Kumpel, die nicht wie heute gewinnorientiert sind, sondern einfach die Geselligkeit suchten. Die Arbeit unter Tage war sehr gefährlich und die Kumpel füreinander verantwortlich waren, entwickelte sich eine enorme Kameradschaft, wie sie heute nirgendwo mehr so ausgeprägt vorhanden ist.

Beim Knappenball spielte die Werkskapelle. Eingeladen wurde die Obrigkeit der Bergdirektion, die Betriebsleitung, die Steiger und Kumpel mit ihren Angehörigen.

Blasmusik und Chorgesang:

Geprägt war im Wies- Eibiswalder Glanzkohlerevier Blasmusik und Chorgesang.

So gab es im Eibiswalder Revier in der „Grube Feisternitz“ des Eibiswalder Stahlwerkes einen Gesangsverein. 

Gesangsverein der Grube Feisternitz 1892

In Steyeregg gab es neben der Feuerwehrmusikkapelle den Gesangsverein „Glück- Auf“.

Gesangsverein „Glück -Auf!“ um 1920

Als einzige Bergknappenkapelle im Wies- Eibiswalder- Glanzkohlerevier, war die 1919 als „Knappenmusik und Gesangsverein Haraldschacht Kalkgrub“, aus der 1952  die Bergkapelle Pölfing- Bergla und 1977 die Berg- und Hüttenkapelle St. Martin im Sulmtal wurde.

Knappenmusik und Gesangsverein Haraldschacht 1919
Bergkapelle Pölfing- Bergla 1962
Bergkapelle Haraldschacht Kalkgrub 1929
Berg- und Hüttenkapelle St. Martin i. S. 2008

Die Bergmännische Tradition lebt bei uns auch heute noch. Die Mitwirkung unserer Berg- und Hüttenkapelle an Bergmännischen Festen, beim  Knappensonntag in St. Martin, Barbarafeier mit den Kumpeln des ehemaligen Bergwerkes Bergla und der Firma Wolfram in St. Martin soll dazu beitragen, auch die Erinnerung an eine große, bewegte Zeit lebendig zu halten.

Glück auf!

                                                                                                       SKH 2009