Die Bergmannstracht:

Im österreichischen und deutschen Raum gibt es eine ältere „weiße, die so genannte maximiliansche Bergmannstracht“ und eine jüngere „schwarze“ Tracht. Die maximiliansche Tracht, die bis ins Mittelalter zurückgeht, bestand aus einem Mantel mit Kapuze und dem Arschleder. Als Festtagstracht bestand der Mantel aus weißem Leinen, als Arbeitstracht war sie aus grobem, braunem Wollstoff gefertigt. Die „schwarze“ Bergmannstracht, die jetzt allgemein gebräuchlich ist, entstand wahrscheinlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Sachsen. Die Form des Bergkittels ist bekannt. In Österreich trägt man dazu allgemein die kleine schwarze Schachtmütze, die Bergmusikkapellen tragen einen Tschako (Kalpack) mit Federbusch. Die Farbe des Federbusches ist nach Revieren verschieden, so z.B. im ehemaligen Wieser-,  Köflacher-, sowie auch in den anderen Kohlerevieren weiß, im Magnesitbergbau bei Trieben rot usw.

Der Federbusch unserer Musikkapelle ist grün und soll auf die Pulververarbeitung hinweisen.

Die Salzbergleute in Österreich tragen allgemein eine weiße Knappentracht mit einer weiß, schwarz oder grün gezackten Schachtmütze.

Die Bergmannstracht wird heute bei festlichen Anlässen noch häufig getragen und ist einer der Grundpfeiler des bergmännischen Brauchtums in Mitteleuropa. Das Wort „Tracht“ kommt von „Tragen“ und stellt etwas Verbindendes dar, ein Zeichen des Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühls der Bergleute. 

Der Bergkittel

Bestandteil der Berg- und Hüttenkapelle sind der Bergkittel, die Bergkittelweste, Hose, Mascherl, die Schachtmütze oder der Kalpak mit dem grünen Federbusch. Die Bergkittelweste wird in der warmen Jahreszeit und bei Konzerten getragen. Der Bergkittel, eine Jacke aus schwarzem Tuch, wird vorne durch neun vergoldete Knöpfe mit dem Bergmannswappen versehen, geschlossen. Die obersten drei Knöpfe werden offen getragen. (die hl. Barbara wollte zur Erinnerung an die heilige Dreifaltigkeit drei Fenster im Turm haben)

Am Stehkragen sind die Dienstgrade der Bergbeamten ersichtlich, bei unserer Musikkapelle ziert ihn die Lyra.

Vom Stehkragen fällt ein 18 cm langer und in 9 Zacken endender Pelerinkragen über Schulter und Rücken.Er erinnert an die ursprüngliche Schutzfunktion vor herabfallendem Gestein in der Grube. Die schirmähnliche Form sorgt außerdem dafür, dass von den Firsten im Stollen herabtropfendes Wasser kontrolliert abgeführt wird und nicht in die Bekleidung eindringen kann.Die neun Zacken symbolisieren die 9 Jahre, welche die Heilige Barbara im Gefängnis verbringen musste.


An den Oberärmeln des Bergkittels findet man das Bergmannswappen (gekreuztes Schlägel und Eisen) zwischen zwei Samtstreifen, die unten von einem halbrund geschnittenen Stück beendet werden.Schlägel und Eisen symbolisieren bis heute den Bergbau. Mit diesen Werkzeugen brachen die Arbeiter früher das Gestein aus der Wand: Das Eisen als Meißel in der einen, den Schlägel in der anderen Hand.

„Schlägel und Eisen ,mein Wappen und Schild,

dich soll man preisen im Grubengefild!

Klingst ja vom Segen der Berge schon lang’,

Schlägel und Eisen hat herrlichen Klang.“

Der Bergkittel unserer Musikkapelle enthält hier ein eigenes Emblem. Eisen und Schlägel und dazwischen eine Zange mit dem Schriftzug- Wolfram und St. Martin im Sulmtal. In diesem Emblem ist der Bezug zur Berg- und Hüttenindustrie hinterlegt.

Ehemalige Bergkapelle Pölfing - Bergla
Wolfram Berg- und Hüttenkapelle St. Martin i. S.

Auf dem halbrunden Teil des Samtstreifenshängen etwa 8 cm lange. gedrehte Seidenfransen, die so genannten Zopfborten. Diese dienten früher als Reservedochte für Öllampen oder auch als Zündschnüre für Sprengladungen.

Auf den Samtstreifen über den Ärmelaufschlägen und an der Brust sind jeweils 5 weitere Knöpfe der vorhin genannten Art angenäht.

Damit zieren den Bergkittel insgesamt nicht weniger als 29 Knöpfe. Sie symbolisieren die 29 Lebensjahre der Heiligen Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute.    

Einige symbolische Komponenten sind ebenfalls sehr wichtig. Die goldenen Knöpfe sollen die Sonne, das schwarze Tuch die Farbe der Nacht- die Untertag- Arbeit symbolisieren.

Der von uns getragene Bergkittel wird genau nach der Verordnung des Ackerbauministeriums im Einvernehmen mit dem Ministerium des Inneren vom 14. Juni 1890 angefertigt, betreffend die Uniformierung der k. k. Forst- und Bergbeamten. In der Kultur des Montanvolkes hat der Bergkittel seinen festen Platz.

Der Bergkittel gehört in seinem heraushebenden Erscheinungsbild neben dem Gruß “Glück auf“, Lied und Spruch zu den wichtigsten Symbolen dieses Standes.

Den unter diesen Kittel sitzt,

ein Mann, der wahrlich noch mehr nützt.

Als mancher von den großen Herrn,

im Galarock mit Band und Stern.“

 

SKH 2009